Drei Bohnen:
Geschichten aus Hotelbars
Reisen beginnt selten mit Leichtigkeit. Es beginnt mit Gewicht im Kopf. Kofferrollen auf Asphalt. Eine Stimme aus dem Navi, die immer Recht hat. Raststättenkaffee, der nach Eile schmeckt. Stau, der sich wie eine Prüfung anfühlt. Und diesem Gedanken, kurz vor der Ankunft: Hoffentlich habe ich an alles gedacht.
Wenn ich an meinem Ziel ankomme, habe ich den Alltag noch im Gepäck. Nicht nur im Koffer. Im Kopf. Die letzte Deadline. Der volle Kalender. Übergaben, die sich nicht von selbst erledigen. Ich stehe im Zimmer, schiebe den Vorhang zur Seite, sehe kurz hinaus – und lasse den Koffer zu. Ein stilles Trotzzeichen. Ich bin da, aber noch nicht angekommen.
Ankunft in der Hotelbar

Also gehe ich weiter. Runter. Dorthin, wo die Zeit anders verstreicht. In die Bar.
„Einen Espresso Martini, bitte.“ Immer.
Hotels sind Orte, die man sich ausleihen kann. Für eine Nacht. Ein Wochenende. Eine Woche, die sich manchmal länger anfühlt als der ganze Monat davor. Man schläft in fremden Betten. Man liest unter fremden Lampen. Man hängt Kleidung in fremde Schränke, so, als wäre es selbstverständlich. Und trotzdem soll sich etwas lösen, sobald man die Zimmertür hinter sich schließt: die unbarmherzig tickende Uhr, das „gleich noch“, das „nur noch kurz“.
In vielen Hotels passiert das nicht im Zimmer, sondern unten. Zwischen Stein, Holz, Glas. Zwischen Stimmen, die leiser werden, sobald der Abend beginnt.
Die Bar ist oft die erste Schwelle zwischen Unterwegssein und Ankommen: Hier fragt niemand, wie spät es ist. Hier fragt eher jemand: „Mit oder ohne Alkohol?“ – und meint damit eigentlich: Wie wollen Sie ankommen?
Ausatmen beim ersten Schluck
Ich bestelle den Espresso Martini nicht aus Neugier. Er ist mein Test, ohne dass er sich jedoch wie ein Test anfühlt. Ein Glas, in dem man mehr ablesen kann, als Koffein und Wodka. Vielmehr, ob jemand sich Zeit nimmt. Ob jemand zuhört, ohne zu fragen.
Und ja: Ich will meine Auszeit nicht mit einer Enttäuschung starten. Nicht mit einem ersten Schluck, der zu süß ist, zu warm, zu egal. Der erste Moment zählt.
Der Drink kommt. Das Glas liegt kühl in der Hand. Der Schaum ist dicht, fast wie eine Decke. Obenauf: drei Bohnen, sorgfältig platziert, als hätte jemand kurz Ordnung in den Abend gelegt.
Der erste Schluck ist kein „Mmm“. Er ist ein Atemzug, tief bis in den Bauch. Manchmal bleibt ein Hauch Schaum an den Lippen hängen, nur für eine Sekunde. Eine kleine Irritation, die genau richtig ist: Du bist hier. Jetzt.
In diesem Moment wird irgendetwas in mir leiser. Jetzt darfst du, denke ich. Es ist eine Erlaubnis zum Ausatmen, die ich mir selbst endlich gebe.
Hotelbars sind Sammelpunkte des Unterwegsseins. Hier begegnen sich Reisende aus den unterschiedlichsten Motiven. Man erkennt sie nicht an den Koffern – denn die sind ja schon oben, sondern an ihrem Verhalten.
Der Strandgast neben der Geschäftsreisenden. Das Paar, das sich extra schick angezogen hat. Die Familie, die noch ein bisschen zu laut ist, weil der Tag so lang war. Alleinreisende, die gelernt haben, wie man mit sich selbst dasitzt, ohne dass es seltsam wirkt.
Alle bringen ihren Tag mit. Und lassen ihn hier langsam los.
Ich sitze oft etwas abseits. Nicht weil ich den Kontakt zu den anderen Gästen vermeiden will. Eher aus dieser stillen Neugier heraus, die man auf Reisen bekommt: Wer sind die anderen, wenn sie niemand sein müssen?
Ich sehe, wie Gespräche entstehen, oft aus einem einzigen Satz.
„Sind Sie auch gerade erst angekommen?“
„Was würden Sie hier bestellen?“
„Ist der Platz frei?“
Ich sehe, wie Fremde vertraut werden. Vielleicht nur für diesen Abend. Aber das reicht.
Und dann bestelle ich ihn. Haus für Haus. Immer denselben.
Impressionen aus unseren Hotelbars
Espresso-Martini
in unseren Hotelbars

Hotelbar im Louis C. Jacob
Hier beginnt mein Urlaub leise. Draußen fließt die Elbe dunkel vor den Fenstern, als hätte jemand die Welt gedimmt. Drinnen das Klirren von Eis, das kurze Zischen der Kaffeemaschine, ein Shaker.
Hier wird nicht geprahlt, sondern gearbeitet. Der Espresso Martini ist herb, klar, zurückhaltend. Ein Drink, der so tut, als müsse er nichts beweisen – und genau deshalb überzeugt.

Hotelbar des
AROSA Sylt
In der Hotelbar vom A-ROSA Hotel auf Sylt ist alles in Bewegung. Draußen Wind und Dünen, drinnen Präzision, die sich wach anfühlt, pulsierend. Der Schaum hält, als wäre er kurz stehen geblieben, obwohl ringsum alles weiterzieht.
Perfektes Handwerk als Einladung: Komm rein. Lass das Draußen draußen.

Hotelbar im A-ROSA Gardasee
Am Gardasee bestelle ich ihn alkoholfrei, weil man es hier kann. Sommer, Wasser, Leichtigkeit, ohne Wucht. Vielleicht der reinste Moment von allen, weil nichts von den Aromen ablenkt: kein Rausch, nur perfekte Harmonie auf der Zunge. Ein Drink wie ein heller Nachmittag, der nicht fragt, wann er enden soll.

Bar im Gothischen Haus
In der Hotelbar des A-ROSA Wernigerode, im Gothischen Haus, knackt es beim ersten Schluck. Zerstoßene Bohnen zieren den Schaum, ein feiner Crunch. Das passt zu den Mauern, die Geschichte tragen:
Hier schmeckt der Drink ein bisschen nach „früher“, aber nicht nostalgisch. Eher solide.

Hotelbar im Straubinger Grand Hotel Bad Gastein
In der Hotelbar im Straubinger Grand Hotel in Bad Gastein wird der Espresso Martini weicher. Süßer und runder, als dürfte der Abend länger sein als geplant. Ein Ort für zweite Runden. Für Menschen, die sich nicht beeilen müssen, irgendwo anders zu sein.
Jedes Haus erzählt ihn anders
Jedes Haus erzählt ihn anders. Im Rezept und in der Art, wie man ihn hinstellt. Ob mit einem Satz. Mit einem Lächeln. Mit einem kurzen Blick, der sagt: Ich habe verstanden.
Und jedes Glas erzählt mir, auf seine Weise: Du darfst jetzt ankommen.
Die Barkeeper sind die stillen Gastgeber dieser Übergänge. Sie spielen nicht die Hauptrolle – und genau das macht sie so wichtig.
Sie wissen, wer reden will. Wer Ruhe braucht. Wer nur einen Tipp sucht, um morgen nicht den falschen Weg zu gehen. Und wer einfach nur da sein möchte, ohne sich zu erklären.
Sie moderieren Begegnungen, ohne sichtbar zu werden. Sie halten einen Raum offen, ohne ihn einzunehmen.
Vielleicht fühlt man sich deshalb in guten Hotelbars so schnell aufgehoben: Weil da jemand mitdenkt, damit man selbst endlich mit dem Denken aufhören darf.
Der Anker unterwegs
Irgendwann frage ich nach der Geschichte. Und ich verstehe plötzlich, warum ich ihn immer wieder bestelle.
Der Espresso Martini wurde vermutlich in den 1980ern kreiert, irgendwo in London zwischen Clublicht und Müdigkeit. Ein Drink zwischen wach werden und Rausch. Zwischen Kontrolle und Loslassen.
Das ist genau der Zustand, den Reisende so gut kennen: Man ist unterwegs. Und sucht trotzdem Halt. Man verlässt Vertrautes. Und braucht neue Anker.
Für manche ist es ein Spaziergang. Für andere ein Bad. Für mich ist es dieses Glas, das kurz kalt in der Hand liegt und die Zeit fließen lässt.
Am letzten Abend bestelle ich ihn wieder. Nicht, um anzukommen, sondern um bewusst zu gehen.
Ich sitze. Schaue. Atme.
Der Barkeeper nickt mir zu. Wir kennen uns jetzt. Nicht wirklich. Aber genug, damit dieses kleine Gefühl in mir aufblitzt, das man im Urlaub manchmal geschenkt bekommt: dass ein Ort einen kurz aufgenommen hat.
Drei Bohnen liegen auf dem Schaum. Man sagt, sie stehen für Gesundheit, Wohlstand, Glück. Ich weiß nicht, was davon bleibt. Und vielleicht muss ich es auch nicht wissen.
Ich weiß nur: Reisen besteht aus Übergängen. Und manchmal braucht es nicht mehr als einen Moment, um sie zu bemerken.
Für mich beginnt die Reise mit einem Glas. Und endet mit dem Gefühl, angekommen zu sein, irgendwo unterwegs.
Häufig gestellte Fragen
zu Hotelbars und Espresso Martini
Was ist ein Espresso Martini?
Ein Espresso Martini ist ein kühler, schaumiger Cocktail aus Wodka, Kaffeelikör und frisch gebrühtem Espresso, serviert im Martiniglas. Er schmeckt herb-aromatisch nach Kaffee und typisch ist die feine Schaumkrone mit drei Kaffeebohnen obenauf.
Warum sind drei Kaffeebohnen auf dem Espresso Martini?
Die drei Kaffeebohnen auf dem Schaum sind Tradition: Sie gelten als Symbol für Gesundheit, Wohlstand und Glück. Genau daher trägt unsere Geschichte aus den Hotelbars auch den Titel „Drei Bohnen”.
Gibt es einen Espresso Martini ohne Alkohol?
Ja, ein Espresso Martini lässt sich auch alkoholfrei zubereiten – etwa mit alkoholfreiem Kaffeelikör oder Sirup statt Wodka. In manchen unserer Hotelbars, zum Beispiel im A-ROSA Gardasee, wird er auf Wunsch ohne Alkohol serviert.
Was macht eine gute Hotelbar aus?
Eine gute Hotelbar ist mehr als ein Ort für Drinks. Sie ist die Schwelle zwischen Unterwegssein und Ankommen. Entscheidend sind sauberes Handwerk, eine entspannte Atmosphäre und das Gefühl, willkommen zu sein, ob im Louis C. Jacob in Hamburg oder im A-ROSA Sylt.
Über die Autorin:
Sina Kreyenberg
Als Senior Content Marketing Manager in der DSR Hotel Holding GmbH bringt Sina Kreyenberg Projekte ins Rollen, die noch keinen richtigen roten Faden haben. Sie entwickelt Ideen, steuert Prozesse und hält Stakeholder zusammen — am liebsten dort, wo es noch etwas zu erfinden gibt und Tempo gefragt ist. Bevor sie 2024 zur DSR kam, sammelte sie Erfahrungen bei Urban Nature Hotels und durfte die neu erschaffene Brand inhaltlich mit Leben füllen.



















